Die Geschichte der Kugelbake

Mit dem Amtsblatt Nr. 36 der Freien und Hansestadt Hamburg vom 2. März 1907 wurde die Umwandlung der Gemeinde Cuxhaven in eine Stadtgemeinde bekanntgegeben. Fast sechs Jahre nach dieser Verleihung der Stadtrechte genehmigte der Hamburger Senat das von Heraldikern entworfene Cuxhavener Stadtwappen: Es zeigte u. a. mit der vom Wasser umspülten schwarzen Kugelbake auf goldgrundiertem Wappenschild eines der heute bekanntesten Wahrzeichen des Elbe-Weser-Dreiecks.

Die mächtige, knapp 30 Meter hohe Holzkonstruktion, erreichbar über einen 250 Meter langen Wellenbrecher, gehört noch immer zu den markanten Bauwerken an der Elbmündung, obgleich sie heute ihre ursprüngliche Bedeutung als wichtige Orientierungs- und Navigationsmarke für Schiffer verloren hat. Die Kugelbake markiert den geographischen Punkt, an dem die Elbe endet. Seit dem späten Mittelalter war Hamburg als eigentlicher Nutznießer des für den Handel wichtigen Verkehrsweges bestrebt, mit hohem finanziellen Aufwand die Sicherheit der Amt Ritzebüttel für Wasser- und Deichbau zuständig war.

Die Kugelbake, Holzkonstruktion, markantes Bauwerk an der Elbmündung


Es war jedenfalls ein langer Weg, bis die Kugelbake ihre heutige Form erhielt. Auf einem seltenen Fotodokument aus dem Jahre 1867 sehen wir zwei Baken fast nebeneinander, nämlich die damals gerade neu errichtete Kugelbake im Vordergrund, dahinter die abbruchreife, baufällige Vorgängerin von 1836, die ungefähr 25 - 30 Meter weiter nördlich stand. Kurze Zeit darauf, im deutsch-französischen Krieg (1870/71), musste die Kugelbake aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, um feindlichen, vor der Küste operierenden Kriegsschiffen unter keinen Umständen das Einschießen auf die dahinter gelegene Küstenbatterie zu erleichtern. - Auch alle Lotsenschoner, Galioten und Feuerschiffe wurden eingezogen und nach Hamburg gebracht. Der Wiederaufbau erfolgte im Sommer 1871. In gleicher Form wurde die Kugelbake schließlich im Juli 1898 noch einmal erneuert.

Um die Jahrhundertwende (1899/1900) begann der berühmte Seefunkpionier Prof. Dr. Jonathan Zenneck mit seinen Versuchen, über Funk eine Verbindung zwischen dem Festland und Schiffen auf See herzustellen. Zu diesem Zweck hatten die Verantwortlichen innerhalb der Kugelbake eine Holzhütte konstruiert, die mit allen erforderlichen technischen Geräten und Antennen ausgestattet war.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges mußte die Kugelbake ein letztes Mal weichen. Erst 1924 wurde sie in ihrer jetzigen Form und Größe mit einem Kostenaufwand von 8.000 Mark erneut aufgebaut, jedoch nicht mehr mit der namengebenden Kugel, sondern mit zwei runden, rechtwinkelig zusammengesetzten Scheiben an der Spitze.

Peter Bussler